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PM-Methodik: Agil oder V-Modell oder ist ein eigener Weg die beste Lösung?

In meinem letzten Urlaub fuhr ich als Radfahrer in einem Kreisverkehr und fand mit Erstaunen, aber auch großer Freude eine sinnvolle Ergänzung des Radwegegeflechts, das die methodisch vorgehenden Planer nicht vorgesehen hatten. Was diese ergonomische Lösung mit PM-Methodik zu tun hat, erfahren Sie in diesem Artikel.

Massive Zeitverzögerung

In einem Coaching-Gespräch berichtet ein Product Owner, für den letzteres zutrifft, von einem Scrum Projekt, das jetzt massiv in Verzug geraten ist. Das bedeutet, die erste release-fähige Version eines Anwendungssystems wird erst 10 Monate nach dem ursprünglich angestrebten Go-Live Termin fertig sein.

Wie ist es dazu gekommen? Einzelergebnisse wie User-Stories oder die Programmierung der Schnittstellen in Sprints wurden immer wieder erreicht, andere Ergebnisse, z. Bsp. Implementierung von Regeln, aber eben nicht. Da es zwangsläufig Abhängigkeiten gibt, führte dies dazu, dass das Product Backlog immer wieder neu sortiert und priorisiert werden musste. Insbesondere der Implementierungspartner, der noch dazu im Ausland sitzt, geriet immer mehr in Verzug. Seine Ergebnisse sind aber Voraussetzung dafür, dass die ursprünglich vorgesehenen Pre-Releases fertiggestellt und getestet werden können.

Was ist der Plan? Mein Coachee berichtet mit „hängenden Ohren“, dass man sich nun entschlossen hat, einen Zeitplan für die kommenden 10 Monate zu machen, in dem die wichtigsten Lieferergebnisse des Implementierungspartners mit klaren Abgabedaten versehen sind. Außerdem soll eine Vereinbarung über die Konsequenzen getroffen werden, falls der Plan nicht eingehalten wird.

Wirklich gescheitert?

Enttäuschung war zu spüren über das „Scheitern“ des agilen Ansatzes in diesem Projekt. Aber kann man überhaupt von einem „Scheitern“ sprechen? Ist es nicht vielmehr so, dass in dieser besonderen Konstellation mit verteilten Teams die Verbindlichkeit in den Sprints einfach nicht entstehen konnte? Es ist in diesem speziellen Fall so und für spätere Projekte ein wichtiger Hinweis. Andererseits hat die agile Vorgehensweise in diesem Projekt viele wichtige Ergebnisse hervorgebracht und sie hat eine besondere Kultur der Zusammenarbeit möglich gemacht. Alle diese Erkenntnisse sind wichtig für zukünftige Vorhaben.

Welches Resümee können wir ziehen? Eine Methode ist nicht gut oder schlecht, sondern die vielfältigen Rahmenbedingungen können zu notwendigen und sinnvollen Interventionen führen. Und hier möchte ich unbedingt dazu ermutigen, eine gewählte Vorgehensweise durch Elemente auch aus anderen Ansätzen zu ergänzen. Das erfordert Mut und Entscheidungsfreude. Beides kann die Basis für ein Happy End sein!

Manchmal nutzt der Trampelpfad

So sahen es wohl auch die Radfahrer in Schleswig-Holstein, die südlich von Barkelsby auf dem Weg nach Eckernförde unterwegs waren. Sie schätzen die gut ausgebauten Radwege und die sichere Führung über große Kreuzungen. Auf dem Reißbrett war die Führung der Radwege an den Kreisverkehr angepasst, völlig unpassend für die Radfahrer im linken, unteren Quadranten, zumal es dort auch noch bergab geht. Und deshalb haben sich die Radfahrer für eine eigene Anpassung entschieden, für die ich von meinem Straßenbau-Professor einen massiven Punktabzug bekommen hätte. Als ich dann selbst mit dem Rad an dem Kreisel unterwegs war, schien auch mir der Trampelpfad mitten durch den Kreisel die beste und ergonomischste Lösung!

Für das Projektmanagement heißt das: Anpassung an Rahmenbedingungen – bleiben Sie mutig!